Zeit
1909-04-10
Beschreibung
"Samstag d. 10. April 1909 [unterstrichen] Am Morgen an einer grossen Herbarsendung für Berlin weiter gearbeitet. Nachmittags Akten. – Ich suche mir möglichst alles das zu sammeln, was die Wasuaheli [sic] in den indischen Läden als ihre Bedürfnisse kaufen. Zu diesem Zweck habe ich zunächst Listen von den Boy's herstellen lassen und verschiedene Sachen dabei gefunden die ich überhaupt nicht kannte. Heute kamen in meinen Besitz: Kleine hellrote, türkische Mütze aus einem roten Stück Filz, sie heißt auf kisuaheli: kofia stambuli und hat oben einen kleinen [S.46] Griff, derselbe soll auf kibonei [?]: shuju [?] heißen. Eine solche Mütze kostet hier in Amani 50 Heller. In Tanga kauft man sie für 25 Heller. Weiter kaufte ich eine einfache ganz weiße Mütze. Dieselbe ist vielfach mit weißen Fäden benäht und heißt diese Sorte kofia ya eherhani [?] [vermutlich r 2018 / 18373]. D.h. mit einer Nähmaschine hergestellte Mütze. Hier kostet das Stück ebenfalls eine halbe Rupie, in Tanga etwa 30 Heller. / Genau dieselbe Mütze, auch ebenso benannt, nur noch mit schwarzen Farben verschiedenen Mustern als Bordüren aufgenäht kostet hier 75 Heller in Tanga 50 Heller. Die Muster sind hier [?] bei den N* [1] gewöhnlich durcheinander greifende Linien, die ohne besondere Sorgfalt mit Maschinen aufgenäht sind [Drei Detailzeichnungen von Nahtlinien] Ist eine Mütze am Rand gezackt, so heißt sie kofia ya someno [?], genähnte [?] Mütze ist nie glatt kofia ya futo / Die feinen und kostbaren Mützen heissen kofia buibui (Tagebuch 52, S.39) und werden dafür mehrere Rupien bezahlt. Ausserdem kaufte ich verschiedene Kleidungsstücke: [S.47] [Farbige Zeichnung] Ein Kitambi, sehr buntes gewebtes Tuch, welches in Indien oder was wahrscheinlich ist in England hergestellt ist. Die bunten Linien bestehen aus in verschiedenen Mustern gewebten bunten Fäden. Hauptsächlich ist violett vertreten. In den einzelnen schmalen Streifen, orange-gelb, weiß, citronengelb, weiß, rot und weiß ist das hier beigefügte Mustereingewebt, jede Linie aus zwei Fäden bestehend. [Kleien farbige Detailzeichnung] Das obige Muster ist die Hälfte der Breite und kehrt ganau nach der anderen Hälfte zu wieder [?]. Die ganze Breite beträgt 106 cm, die Länge 212 cm. Der Preis ist hier in Amani 1 Rupie. Getragen wird das Tuch von Männern als Lendentuch. Ein anderes Kitambi, ist 16 cm breit und 168 cm breit, hat einen breiten roten Rand, die Mitte besteht aus von gelben Fadenlinien eingefassten Stücken [?], welcher ihrerseits wieder aus rotem und schwarzem Faden zusammengesetzt sind. Zwischen dem roten Rand und dem inneren /[S.48] [farbige Zeichnung mit Beschriftung] weiße Längslinie / Teile läuft eine weisse Längslinie entlang. Das Tuch wir ebenfalls von Männern als Lendentuch getragen und kostet ein Stück 1 Rp. 25. / Ein Shuka oder einfaches Lendentuch mit sehr einfacher Linienfassung, schwarz und rot. Die Länge beträgt 172 cm die Breite 89 cm, der Preis ist hier in Amani 60 Heller. [Kleine farbige Zeichnung] / Ein noch einfachere Shuka kostet um 50 Heller und ist ein Tuch, 98cm breit und 186 cm lang. Die Einfassung ist [Korrektur] besteht aus rotem, grünen und violetten Linien. Der Preis ist 50 Heller. [Kleine farbige Zeichnung] / Außerdem erhielt ich verschiedene Räuchermittel: [...] [S. 50] [farbige Zeichnung] Ein breites [...] [?] (Tagebuch 52, S.59) gekauftes Kikoi hat nebenstehend einen bunten Rand. Diese Tücher werden für die vornehmsten gehalten. Breite 95 cm Länge 168 cm ohne den Fransensaum der etwa 10 cm lang ist."
[1] Das N-Wort (N*) ist eine stark rassistische Fremdbezeichnung für Schwarze Menschen. Der Begriff entstand im Zusammenhang mit "Rassen"theorien und ist eng mit der Geschichte von Sklaverei und Kolonialismus verbunden. In der Abschrift von Originalquellen wurde er nicht übernommen, sondern als ein rassistisch abwertender, verletzender Begriff kenntlich gemacht.
50 Heller (für Europäer), 25 Heller (für lokale Bevölkerung)
Quelle: Museum der Kulturen Basel, VI 56197, 53 (46)
Verfasser: Karl Braun
Person/Institution
-
Braun, Karl (* 1870 † 1935)
(Käufer*in)
GND Explorer
-
Person, unbekannt
(Verkäufer*in)
Ort